Hintergrund: Fassadensanierung im Reichardtblock


Der Reichardtblock war die erste Wohnanlage des Altonaer Spar- und Bauvereins, die im Stil der Neuen Sachlichkeit erbaut wurde – ohne Satteldach, mit kubischen Formen und klaren, unverschnörkelten Fassaden. Mit ihrer Lage im nachgefragten Stadtteil Hamburg-Bahrenfeld, mit immer noch zeitgemäßen Grundrissen und ihren idyllischen Innenhöfen erfreut sich die Wohnanlage nach wie vor insbesondere auch bei jüngeren Genossenschaftsmitgliedern großer Beliebtheit.

Ziel der altoba bei der Fassadensanierung sind der Erhalt und die nachhaltige Sicherung der denkmalgeschützten Backsteinfassaden des Reichardtblocks sowie eine Verbesserung der Energiebilanz. Das Dämmen der Fassaden mittels eines sichtbaren Wärmedämmverbundsystems stand nicht zur Diskussion.

Zwischen Sommer und Ende 2016 hat die altoba alle zweischaligen (also doppelt gemauerten) Häuserfassaden mit einem so genannten PU-Schaum (= ‚Polyurethan-Schaum‘) gedämmt und auf diesem Weg gleichzeitig für die langfristige Standsicherheit gesorgt. Im zweiten Schritt erfolgt aktuell die Sanierung des Verblendmauerwerks aller Fassaden.

Ein besonderer Lösungsweg musste an der Bahrenfelder Chausse gewählt werden: Im Frühjahr 2016 waren – möglicherweise im Zusammenhang mit den umfangreichen Straßenbauarbeiten – sichtbare Schäden an den straßenseitigen Fassaden der Bahrenfelder Chaussee 2a-8 und Reichardtstraße 2 entstanden. In Teilbereichen machte es der Zustand der Fassade erforderlich, die Vormauerschale abzutragen und anschließend wieder aufzubauen. Diese Arbeiten wurden Ende 2016 erfolgreich abgeschlossen.


Wie kam es zur Verzögerung im Bauablauf?

Durch eine Stilllegungsverfügung war im Sommer 2015 das geplante Einbringen des Polyurethan-Schaums („PU-Schaum“) in die schadhaften zweischaligen Westfassaden des Reichardblocks gestoppt worden. Grund für den Baustopp war zusätzlicher Abstimmungsbedarf seitens des Denkmalschutzamts.
Auf Wunsch des Denkmalschutzamts führte die altoba unter anderem weitere Beprobungen des Mauermörtels durch, um die Aussagen der altoba bezüglich der Sanierungsbedürftigkeit sowie bezüglich der geeigneten Sanierungsmethode zu bestätigen. Im Sommer 2016 hat das Denkmalschutzamt dem geplanten Einbringen des Polyurethan-Schaums in die schadhaften Fassaden zugestimmt, so dass die altoba diesen Teil der Arbeiten bis Ende 2016 erfolgreich zum Abschluss bringen konnte.


Hintergrundinformation: Verfestigen der Fassaden mit PU-Schaum

Die umfangreichen Voruntersuchungen zur Sanierung der Fassaden des Reichardtblocks hatten starke sichtbare und unsichtbare Schäden zutage gebracht. Insbesondere für die zweischaligen Westfassaden musste die altoba darum Maßnahmen ergreifen, um die langfristige Standsicherheit zu gewährleisten. Mit dem Ausschäumen der Fassaden hat die altoba einen sehr innovativen Weg gefunden und umfangreich erprobt, um die Fassaden zu sichern und zu sanieren, ohne dass das historische Fassadenbild Schaden nimmt. Denn durch das starke Auswaschen des Mauermörtels war eine konventionelle Fugensanierung durch Nachverankerung in den zweischaligen Westfassaden nicht mehr möglich.

Das Einbringen eines so genannten PU (= ‚Polyurethan‘)-schaums ist ein seit Jahrzehnten etabliertes, zugelassenes Verfahren zur Wärmedämmung von Fassaden. Neu an der Methode, die im Reichardtblock eingesetzt wurde, war lediglich die Tatsache, dass der PU-Schaum nicht nur zur Dämmung, sondern auch zur Sicherung der Standfestigkeit der Fassaden genutzt wird. Dieses Vorgehen hat die altoba im Rahmen umfangreicher Untersuchungen erprobt, wobei auch beispielsweise das Verhalten bei Frost simuliert und untersucht wurde. Die statische Sicherheit wurde vom Amt für Bauordnung und Hochbau (Bundesbauabteilung) bestätigt.

Das Verfestigen der Westfassaden mit PU-Schaum startete im Sommer 2016. Im ersten Schritt entnahmen die Mitarbeiter der Firma Everisol am Sockel der Fassade Steine. Mit einem speziell dafür angefertigten „Staubsauger“ wurden Schutt und Sand aus der Luftschicht im Mauerwerk entfernt. Anschließend setzten die Arbeiter die Steine wieder ein. Dann wurde die Fassade „vernebelt“: In den Hohlraum wurde ein so genannter „Theater-Nebel“ eingeblasen, um etwaige Leckagen an der Fassade zu lokalisieren. Dieser Nebel ist gesundheitlich vollkommen unbedenklich. Die festgestellten Leckagen wurden anschließend geschlossen. Dann bohrten die Mitarbeiter der Firma Everisol in einem Raster von ca. 80 X 80 CM kleine Löcher in die Fugen der Fassaden bohren, um den flüssigen PU-(‚Polyurethan‘-) Schaum einzubringen. Die Sanierung des Verblendmauerwerks erfolgt anschließend.

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