„Wer die Frauen auf seiner Seite hat, hat gewonnen!“

Die Mitglieder in der Kaiserzeit

Zum 50jährigen Jubiläum 1942 wurde die Verlosung der Wohnungen in einem Theaterstück nachgestellt. (Bild: altoba)

Der Andrang auf Wohnungen des Altonaer Spar- und Bauvereins ist groß. Deshalb beschließt der Vorstand, sie zu verlosen. Denn die Zahl der Mitglieder wächst beständig. Unter ihnen sind auch viele Arbeiter. Sie wollen nicht auf die Revolution warten, sondern jetzt und sofort würdig wohnen. Es hat sich herumgesprochen, dass die Genossenschaft solide, bezahlbare Wohnungen baut. Und sie baut beständig. Ein Haus nach dem anderen wird den Mitgliedern übergeben. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs verfügt der Spar- und Bauverein über fast 1.900 Wohnungen. 

Doch auch wenn die Wohnungen bezahlbar sind, müssen viele Mitglieder doch Untermieter aufnehmen. Sonst kommen sie nicht über die Runden. Denn neben der Miete müssen sie auch ihren Genossenschaftsanteil von 300 Mark abstottern. Wer hierfür nicht mindestens 30 Pfennig pro Woche aufbringen kann, darf nicht an den Wohnungsverlosungen teilnehmen und riskiert die Mitgliedschaft. Und das will niemand. Oft sind es die Frauen, die in den Familien dafür sorgen, dass die Haushaltskasse stimmt. Immer mehr Frauen werden jetzt Mitglied in der Genossenschaft und sind Hauptmieter ihrer Wohnung. Dem Spar- und Bauverein ist es recht. „Wer in der Wohnungsfrage die Frauen für sich, der hat gewonnenes Spiel“, heißt es im Geschäftsbericht für 1902.

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Wenn die Mitglieder ihre Miete und ihren
Spargroschen bei der ersten Geschäftsstelle einzahlten,
bildeten sich oft lange Schlangen auf der Straße.
(Bild: altoba)


Autor: Dr. Holmer Stahncke, Autor des Buchs: „Eine Genossenschaft und ihre Stadt.
Die Geschichte des Altonaer Spar- und Bauvereins.“ Erfahren Sie mehr über dieses Buch.