„Lasst Euch nicht das Geld aus der Tasche ziehen!“

Die junge Baugenossenschaft

Kaum gegründet, muss die junge Baugenossenschaft sich heftiger Kritik erwehren. Dass die Stadt sich reserviert verhält und die politisch einflussreichen Haus- und Grundeigentümer gegen die Genossenschaft agitieren, kommt nicht unerwartet. Dass sie aber auch von der Sozialdemokratie niedergemacht werden, ist für die Genossenschaftler ärgerlich. Doch noch gilt für die SPD das Wort von Friedrich Engels, dem Weggefährten von Karl Marx, dass nur die proletarische Revolution – und nicht etwa bürgerliche Wohltäter – das Wohnelend lösen werde. 

Auch ist in der sozialdemokratischen Presse Altonas zu lesen: „Lasst Euch nicht von den Oberlehrern und Direktoren das Geld aus der Tasche ziehen!“ Immerhin müssen Genossenschaftsmitglieder ja Anteile erwerben. Außerdem passt es der SPD nicht, dass sich im Vorstand und im Aufsichtsrat des Spar- und Bauvereins nicht nur Arbeiter oder Handwerker, sondern auch wohlhabende  Altonaer Bürger engagieren.

Doch ohne Honoratioren wie den „Millionär“ Ferdinand Baur hätten die Gründer den Aufbau der Genossenschaft und namentlich der Spareinrichtung kaum bewältigen können. Ihnen fehlt das Know-how. Im Vorstand sitzen neben Baur nur Handwerker. Der Vorsitzende J.H. Röhrig ist Tischlermeister. Sie alle müssen ihr neues Handwerk erst lernen.

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Ferdinand Baur stammte aus einer der großen, alten Altonaer Familien. Er ordnete die Finanzen des jungen Spar- und Bauvereins.

Tischlermeister J.H. Röhrig leitete die Genossenschaft 36 Jahre lang, davon die ersten 13 Jahre ehrenamtlich. 
(Bilder: altoba)


Autor: Dr. Holmer Stahncke, Autor des Buchs: „Eine Genossenschaft und ihre Stadt. Die Geschichte des Altonaer Spar- und Bauvereins.“ Erfahren Sie mehr über dieses Buch.