„Wir bauen modern und doch gemütlich.“

Das Neue Bauen 

Der Reichardtblock in Bahrenfeld war im Stil des Neuen Bauens entworfen worden. Dieser Stil sollte das Bild des Arbeiterwohnungsbaus in den 1920er Jahren deutschlandweit prägen. (Bild: altoba)

Ende der 1920er Jahre bricht auch für den Altonaer Spar- und Bauverein architektonisch eine neue Zeit an. Die nächsten fünf Gebäude werden im Stil des Neuen Bauens mit Flachdach, ineinander geschobenen Kuben und klaren, unverschnörkelten Fassaden gebaut. Darunter der große Gebäudekomplex des Reichardtblocks (1928-31) in Bahrenfeld. Der Vorstand um J.H. Röhrig muss sich erst daran gewöhnen, solche Häuser zu bauen. Denn ein Haus ohne Satteldach entspricht nicht seiner Vorstellung von Architektur. Für technische Neuerungen wie die Zentralheizung sind Röhrig und seine Mitarbeiter dagegen leicht zu gewinnen. Für den schmucklosen Baustil allerdings nicht. „Wir bauen modern und doch gemütlich“, lautet ihr Credo.

Zur Gemütlichkeit zählt für den Vorstand des Altonaer Spar- und Bauvereins die Wohnküche als Mittelpunkt des familiären Lebens. Im Gegensatz dazu planen die Bauhaus-Architekten kleine, funktionale Küchen. Gegessen werden soll, so die Vorstellung der Architekten, in der Wohnstube. Doch die ist in der Realität oft von einem Untermieter bewohnt. In den wirtschaftlich schwierigen Zeiten der 1920er Jahre müssen viele Mitglieder untervermieten. Auch wohnen oft noch die eigenen erwachsenen Kinder, viele von ihnen mit Ehepartner, bei den Eltern. Auf dem Wohnungsmarkt finden sie keine Wohnungen.

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Autor: Dr. Holmer Stahncke, Autor des Buchs: „Eine Genossenschaft und ihre Stadt.
Die Geschichte des Altonaer Spar- und Bauvereins.“ Erfahren Sie mehr über dieses Buch.