„Genossenschaft ist nicht nur eine Rechtsform, sondern auch eine Geisteshaltung!“

Genossenschaftsidee wird zum immateriellen Weltkulturerbe

Hinter dem Genossenschaftsgedanken steht eine weltumspannende Idee mit langer Tradition. Auf der ganzen Welt gibt es ungefähr 800 Millionen Genossenschaftsmitglieder, wovon rund 22 Millionen Mitglieder in fast 8.000 Genossenschaften in Deutschland vertreten sind. Schon vor 160 Jahren gab es die ersten Genossenschaften. Als „überkonfessionelles Modell der Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung auf Grundlage von Kooperationen“ werden Genossenschaften auf der Internet-Seite der Deutschen UNESCO-Kommission beschrieben.

Im November 2016 wurde schließlich die „Idee und Praxis der Organisation gemeinsamer Interessen in Genossenschaften“ in die „Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit“ der UNESCO aufgenommen. Die Genossenschaftsidee ist damit zum ersten deutschen Eintrag in dieser Liste geworden. Der Eintrag kann hier nachgelesen werden.

 „Deutschland hat der weltweiten Genossenschaftsidee einen wichtigen Impuls gegeben. Die Entscheidung der UNESCO ist damit auch ein Signal für die engagierte Arbeit der vielen Menschen, die überall auf der Welt in genossenschaftlichen Entwicklungsprojekten tätig sind“, erläutert der Vorsitzende des Vorstands des Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverbandes (DGRV) Dr. Eckhard Ott. Auch Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries freut sich beim Jahresempfang der Deutschen Genossenschaften in Berlin im Februar über den neuen Eintrag. Sie betont die Relevanz von Genossenschaften für die wirtschaftliche Zukunft. Genossenschaften seien nicht nur eine Rechtsform, sondern auch eine „Geisteshaltung“, ohne welche „eine gesunde, mittelständisch geprägte Volkswirtschaft“ nicht denkbar sei.

Rund 2.000 Wohnungsgenossenschaften gibt es in Deutschland. Eine davon ist die 1892 gegründete Altonaer Spar- und Bauverein eG, kurz altoba. Auch die Mitglieder der altoba würdigen, dass die Genossenschaftsidee nun zum Kulturerbe gehört. Mit einem kurzen und trockenen „Das finde ich top!“, kommentiert zum Beispiel Doris Dlugokinski, die seit fast 10 Jahren im Bahrenfelder Dreieck wohnt, das Ereignis. Auch Margitta Rosenau, Mitveranstalterin von „Meditation in der Stille“ im Treff Schützenblock, ist sehr positiv gestimmt. „Diese Auszeichnung finde ich sehr wertschätzend. Genauso erlebe ich das nachbarschaftliche Zusammenleben. Und der Nachbarschaftstreff bietet darüber hinaus Möglichkeiten, gemeinsame Interessen zu verwirklichen.“

Mehr über Wohnungsgenossenschaften in Deutschland, auch die altoba kommt vor, erfährt man in dem Buch

„Wohnen bei Genossenschaften. Basics. Geschichte. Projekte“ von Bärbel Wegner, Anke Pieper, Holmer Stahncke. Es ist erschienen im Ellert und Richter Verlag und kostet 12.95 €